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Triathlon: Die Frau im Hintergrund
veröffentlicht 01.07.2007, 23:13 Uhr
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dies&das

und/oder: Das Geheimnis seines Erfolges

Er ist im Ziel – Gottseidank – es ist geschafft! Eigentlich konnte ich es mir nicht so richtig vorstellen, er ist so unbedarft und selbstbewusst an die Sache ran gegangen. Wenn ich da an mich denke, immer geplagt von Selbstzweifeln, körperlichen Unzulänglichkeiten und Unberechenbarkeiten, jede Menge Höhen und Tiefen und Rückschläge. Aber nein, er ging mehr oder weniger sicher und konsequent seinem Ziel entgegen. Langsam startend, für mich zu langsam, ich bin schon die Ungeduldigere von uns beiden, immer mit der Angst etwas zu verpassen, etwas nicht richtig zu machen, nicht genug zu trainieren.

Mit der Zeit lernte ich darauf zu vertrauen, dass er sein Training sinnvoll gestaltet und dass schließlich er Ironman werden will und nicht ich.

Also nun ist er Ironman und ich ärgere mich. Warum habe ich mich nicht näher am Ziel platziert, bin in den Zielbereich gegangen oder bin nicht selbst mit ihm durchs Ziel gelaufen. Schließlich ist es auch ein bisschen mein Sieg. Oder habe ihm nicht Julja mit auf die letzten Meter zum Ziel auf den Weg mitgegeben, wäre auch ein bisschen Belohnung für diesen Tag für sie gewesen? Naja vorbei, es ist nicht mehr zu ändern. Außerdem ist es sein Erfolg, er musste schließlich schwimmen, radeln und laufen und zwar alleine. Seine Gelassenheit und Ruhe in den letzten Tagen vor dem Wettkampf fand ich bewundernswert und regte mich auch gleichzeitig auf. Zielgerichtet, klar konzentriert hat er das getan was getan werden musste, kühl und nüchtern überlegend, wo ich längst kopflos geworden, entnervt und gestresst geendet hätte. Selbst am Samstag vor dem Wettkampf bummelte er noch in aller Seelenruhe mit mir über die Tria Expo, von Nervosität keine Spur.

Nun gut, er ist im Ziel, ich bin leer von den Anstrengungen des Tages, mit Julja an der Hand, nicht wissend auf was ich mich einlasse, als sie ihre Mutter bat mich an der Laufstrecke begleiten zu dürfen. Eigentlich dachte ich, wir würden Andrea und Christian noch treffen und ich könne die kleine Dame wieder abgeben, aber irgendwann war auch mir klar, dass ich Julja nun für den Rest des Tages an der Backe hatte. Nein Julja ist kein Quengelkind, sie war klasse, hat alles geduldig mitgemacht und hatte hoffentlich auch ein wenig Spaß ihren Onkel beim Wettkämpfen zu zu sehen. Aber mit einer Achtjährigen an der Hand supportet es sich doch ein wenig anders als wenn frau ohne Begleitung unterwegs ist.

Andrea und Christian hatten sich auch irgendwann am Zielkanal eingefunden, allerdings auf der rechten Seite, während wir uns an der linken aufgestellt hatten. Julja hatte ich auf die Bande gesetzt, damit sie auch was sehen kann und bat Frank das Zielkanalfoto zu schießen. Ich war ganz froh darum, diese Aufgabe nicht erledigen zu müssen, erstens ist meine Kamera schon vier Jahre alt und bereits Lichtjahre von den heutigen technischen Möglichkeiten entfernt und zweitens komme ich mit der Sportfotografie nicht so gut zurecht, meine Sportbilder sind meistens verwackelt, zum Frust aller Beteiligten.

Dann endlich bog er um die Ecke mit Tunnelblick und offenbar ganz versunken in den Augenblick. Richtig wachrufen mussten wir ihn und sofort strahlte er über das ganze Gesicht und brachte die Freude über unseren Anblick zum Ausdruck. Dieser Augenblick ging so schnell vorbei, weil er die letzten Meter vor dem Ziel sich innerlich nochmal aufrichtete mit neuer Spannung den Zielkanal entlang lief.

Frank, Konni, Sabine, Detlef, Uwe, Dietmar und Carmen verabschiedeten sich nun, sie hatten bereits sehr lange ausgeharrt und noch netter weise den Zieleinlauf von Stefan mitverfolgt und ihn Zuguterletzt noch anfeuernd ins Ziel gejagt. Julja und ich wollten Christian und Andrea hinter dem Zielbereich treffen um auf die Suche nach meinem Liebsten zu gehen, der es sich hoffentlich bereits gemütlich im Athlets Garden machte. Wir suchten diesen Family Point, wo die Familienzusammenführung nach dem Zieleinlauf und der Versorgung der Ironmenschen stattfinden sollte. Es gestaltete sich schwierig, weil einem immer so viele Menschen im Weg waren. Aber Geduld, diese Eigenschaft beherrschte schon den ganzen Tag, alles kommt zu dem der Warten kann!

Nach einer Umrundung des Athlets Garden gelangten wir an die Rückseite und AHA ein Blick durch einen Zaunspalt gab mir freien Blick auf Stefan, der sich gerade seinen Bekleidungsbeutel holte, ein Bier in der Hand und ganz munter aussah. Erste Kontaktaufnahme nach dem Finish, ein Siegerkuss und die Freude darüber sich gefunden zu haben. Schnell war die Zusammenkunft am Family Point besprochen und dort eingetroffen, trafen wir auch auf Steffi und meinen Neffen Michi, der sich schon regeneriert hatte, weil er ca. zweieinhalb Stunden vor Stefan ins Ziel einlief. Hier wurden erste Erfahrungen unter den Sportlern ausgetauscht und auch die Supporter-Mannschaft hatte sich viel zu erzählen.

Da wir aber doch alle reichlich k.o. waren, verabschiedeten sich Steffi und Michi bald, wir wollten uns auf der Awards Party am nächsten Tag wiedersehen. Stefan zog sich in seinen Regenerationsgarten zurück ,um sich Massieren zu lassen (oGott hätten wir das auch nötig gehabt).

Andrea, Christian, Julja und ich hatten den Auftrag sein Rad aus dem Bike-Park auszulösen. Eine weitere Aktion, die sehr viel Geduld erforderte. Die Einweisung zum Standort des Rades ging fix, wir hatten es auch bald gefunden. Doch die Radreihen waren so eng gestellt, dass man manchmal nicht an der Seite des Rades durch die Reihen gehen konnte, es war nur vor einem her zuschieben. An der Kontrolle zum Ausgang stauten sich die Radabholer und ihre Räder, das Konzept der Auslösung war nicht so sehr zu durchschauen, es waren zudem nur zwei Kontrollschleusen geöffnet, einfach zu wenig.

Schon reichlich entnervt hatten wir nach ca. 45 min auch diese Geduldsprobe bestanden. Ein Rad und zwei schwere Taschen, war ich froh dass ich von den Gerks unterstützt wurde. Zurück am Athlets Garden war von Stefan noch nix zu sehen, so verabschiedeten sich die Gerks nach Hause. Insbesondere Julja hatte sich wirklich extrem geduldig den ganzen Tag über an jede Situation angepasst, das war eine starke Leistung. Andrea und Christian übernahmen auch zwei von den schweren Wechseltaschen, denn Stefan und ich mussten den Heimweg auch mit der U-Bahn bestreiten und das wäre mit dem Rad schon viel Ballast gewesen.

Irgendwann nach 1 ¼ Stunden verließ auch Stefan die Aufbaubude und wir konnten den Heimweg antreten. Mit der U4 vom Römer U-Bahnhof nach Hause, erst zur Seckbacher Landstraße, wo ich mein Auto geparkt hatte. Die Fahrt mit der U-Bahn verließ problemlos, um halb elf waren wir endlich zu Hause. Ich hatte ständig das Gefühl ich müsse nun euphorisch über Stefans tollen Wettkampfverlauf mit Freude um mich werfen, aber ich war zu ko dazu, lief auf Sparflamme. Zu hause sank ich auf die Couch und verfiel in Schweigen und später im Bett in sofortigen traumlosen Schlaf.

Dieser Tag hatte auch für mich um 3:30 Uhr begonnen. Dummerweise hatte ich meinen Wecker versehentlich auf 4:30 Uhr gestellt und wunderte mich dass er sich um 3:30 Uhr nicht meldete. Glücklicherweise hatten wir einen doppelten Boden eingebaut und Stefans Handy weckte zuverlässig zur avisierten Zeit.

Sofort aufstehen, Frühstück machen, heute war es ausschließlich meine Aufgabe, die wir uns sonst teilten, Stefan sollte sich auf seinen bevorstehenden Wettkampf konzentrieren können. Ich konnte noch nix essen, später hätte ich noch genug Zeit dafür. So habe ich ihm zugesehen, noch ein belegtes Brötchen für ihn vorbereitet, welches er vor dem Schwimmen noch zu sich nehmen sollte. Zu diesem Zeitpunkt wurde er doch ein wenig nervös.

Pünktlich um 5 Uhr losfahren, wie immer musste ich ihn drängen, damit er fertig wurde. Immer habe ich dann das Gefühl ich würde Hektik verbreiten, aber später sollte ich mit meinem Antrieb zur Eile recht behalten. Endlich um fünf nach fünf saßen wir mit allen sieben Sachen im Auto und los gings.

Unterwegs plagte mich die Sorge, ob alle vorgesehenen Straßen frei sein würden, insbesondere die Auffahrt zur A661. Stefan beruhigte mich, die Sorge war auch tatsächlich unbegründet.

Der Plan war, dass ich ihn zum See fahre und gleich wieder den Heimweg antrete. Mein Haupteinsatzort war die Marktstraße in Bergen-Enkheim und dort wollte ich sein, bevor die Straßen gesperrt wurden. Kurz vor Mörfelden-Walldorf gerieten wir tatsächlich in einen Stau. Was hatte ich eigentlich erwartet? Das wir die einzigen sein würden, die mit dem Auto zum See fahren? OK, Ruhe bewahren, es geht ja voran.

Pünktlich zur geplanten Zeit um halb sechs gab ich Stefan am Abzweig zum See ab. Ich fühlte mich ganz merkwürdig, überlegte krampfhaft ob ich auch an alles gedacht hatte, wie ich mich nun von ihm verabschiede, was er vielleicht sich von mir wünscht. Dann Wende, aussteigen eine letzte Umarmung und ein Abschiedskuss, natürlich die besten Wünsche mit auf den Weg gebend, ein zwei Fotos und dann Tschüss. Ich war auf dem Heimweg vielleicht nervös. Dann klingelte auch noch mein Handy und die Klingelmelodie kündigte einen Anruf von Stefan an. Voller Schreck vielleicht etwas vergessen zu haben nahm ich das Gespräch an, und stellte erleichtert fest, dass er nur eine Positivmeldung abgeben wollte. Ein letztes Tschüss waren die letzten Worte vor dem Wettkampf.

Um 6 Uhr zu hause angekommen überlegte ich was ich mit der Zeit bis 9 Uhr nun anfangen sollte. Ich hatte wiedermal tolle Vorstellungen wie laufen zu gehen oder so was. Ich ließ es bleiben, frühstückte und setzte mich an den Computer. Nervös und voller Spannung verfolgte ich den Startschuss über den Countdownzähler der IMG Homepage.

Ich konnte mir bei aller Liebe nicht vorstellen, dass mein Stefan nun 3,8 km in einer wild gewordenen Horde schwimmen und dieses überleben sollte. Ã?ber den Live-Ticker verfolgte ich die Ausstiege aus dem Wasser unserer Bekannten und von Michi . Ich sah Manni mit 1:05:??, das Schwimmen beenden, Achim mit 1:12:??, Michi mit 1:14:?? WOW und endlich meinen Schatzi mit 1:23:?? TOLL!!! Diese Zeit hätte selbst er nicht erwartet, wobei er immer sicher und ich immer skeptisch über seine Zeitansage für 1:30 Std. war und dachte, dass die Sache in der Realität doch immer anders aussähe (natürlich nur im Stillen, denn meine Zweifel sollten nicht zu den seinen werden).

Klasse, das war ein guter Start. Jetzt kam Rad fahren, seine Lieblingsdisziplin, die er am meisten trainiert hatte. Der Fehler den viele Trias machen, die Disziplin trainieren, die ihnen liegt, wo die Stärken sind. Stefan ist ein sicherer und mutiger Rennradfahrer, keine Angst vor Abfahrten, auch wenn mir die Seinen immer zu schnell sind, ist er nicht tollkühn, sondern schätzt eine Situation realistisch ein und geht im Zweifelsfall kein unnötiges Risiko ein. Die Radstrecke ist für ihn sowieso pillepalle, weil er diese ausgiebigst befahren hatte und sie gut kannte. Soooo viele Höhenmeter weist die Strecke auch nicht auf. Gegen 8:45 Uhr trafen Andrea, Christian und Julja ein, Frank stieß kurze Zeit darauf zu uns und Leena war auch rechtzeitig da. Schließlich gesellte sich noch Belli dazu, die Achim zu versorgen hatte. Gegen 9:15 Uhr sollte er in BE an der Marktstraße ankommen. Geplant war ein kurzer Stopp, um eventuelle Hektik und dadurch verursachte Fehlaufnahme zu vermeiden. Das erste bekannte Gesicht war Frank W., meinen Neffen erkannte ich nicht, weil ich über seine Rennkleidung nicht informiert war, kurz darauf passierte Manni die Verpflegungsstelle und Achim erkannte ich nur im Nachhinein. Die Horde der wild gewordenen passierte in einem Affenzahn die Marktstraße und ich machte mich aufgrund dessen für eine fliegende Ã?bergabe des Futterbeutels bereit, ich konnte mir nicht vorstellen, dass Stefan im Rennhype zur Verpflegungsaufnahme anhalten würde. Ich sollte recht behalten und er war pünktlich. Stefan machte keine Anstalten das Rennen zu unterbrechen, er brauchte auch nur den für ihn bereitgehaltenen Beutel greifen und schon war er wieder weg.

Alles gut gegangen, die Verpflegungsübergabe mittels eines Leinenbeutels mit langen Trageschlaufen ist perfekt, diesen kann man auch während rasender Fahrt gut aufnehmen.

So, erster Auftrag war erfolgreich erledigt. Dann hieß es warten auf Jürgen, er kam und kam nicht. Ein Blick in den Live-Ticker verriet, dass das Schwimmen für ihn nicht optimal lief, obwohl er sich in seinem geplanten Zeitrahmen befand. Mit Neo wollte er aber doch schneller schwimmen. Bald darauf fuhr er doch an uns vorbei, nicht nur Leena war erleichtert, auch wenn er insgesamt einen nicht optimalen Eindruck hinterließ.

Nicht lange Zeit danach wurde schon die zweite Runde der Besten angekündigt. Es gab immer was zu sehen und wurde nicht langweilig.

Auf der zweiten Runde blieb die Reihenfolge die gleiche: Frank. W., Michi, Manni, Achim, Stefan und Jürgen. Die zweite Verpflegungsaufnahme wurde dann doch in Ruhe erledigt. Er war offenbar noch reichlich satt und ließ mir diverse vorgesehene Leckereien da. Oje, oje, hoffentlich hat er die Situation richtig eingeschätzt! Doch er sah munter aus, befand sich offenbar im Bikershigh und hatte offensichtlich Spaß.

Zu dieser Zeit stand ich bereits in SMS-Kontakt mit meiner Nichte Tanja, die ihre Position in Frankfurt und ihre später endgültige an der Laufstrecke bereits eingenommen hatte. Sie verkündete mir Michis und Stefans Durchfahrt bzw. Wechselankunft und so hatten wir einen guten Ã?berblick, wann wir mit den zu anfeuernden Sportlern zu rechnen hätten. Ach, kam ich mir wichtig vor!

Da ich Jürgen versprochen hatte, ihm in BE auch zwei Getränkeflaschen zu reichen, fuhren wir nach Stefans Durchmarsch nicht gleich zum Heilsberg nach Bad Vilbel. Ich wollte mit Leena gemeinsam auf jeden Fall auf Jürgen warten. Kurz vor 13:00 Uhr kündigte er sich an. Schnell steckte ihm Leena die Flaschen ans Rad, wechselte ein paar Worte mit ihm und dann war auch er zum Zweiten mal durch.

Dann löste sich unsere Supporterstation auf. Andrea und Julja fuhren mit der U-Bahn in die Stadt um Stefan an der Wechselzone abzupassen, Frank wurde ebenfalls an die Laufstrecke geschickt, Belli befand sich schon längst auf dem Weg an die selbe, wo sie sich mit Ute treffen wollte, Leena sattelte ihrerseits ihr Rad um gleichfalls in die Stadt zu gelangen, Christian und ich sattelten unsere Rennräder, weil wir Stefan am Heilsberg nochmals anfeuern wollten.

Zack, fünf Minuten später standen wir dort an der Strecke. Frank W. hatten wir verpasst, Michi sah ich wiedermal nur von hinten, so was Blödes. Manni schien noch fit und sein Vorsprung vor Achim schmolz. Stefan wie gewohnt souverän, winkte uns strahlend zu und dann war auch für uns der Gang nach FFM angesagt.

Andrea und Christian wollten sich am Deutschherrenufer platzieren, Stefan wünschte meine Unterstützung an der Untermainbrücke, wo Frank schon Stellung bezogen hatte. Nach einigen Hindernissen gelangten Julja und ich dorthin. Trafen meine Schwester Gerdi, die ihren Sohn Michael bejubelte, meine Nichte Tanja und Steffi, die Freundin meines Neffen. Witzig, wir standen nur 30 m voneinander entfernt. Beim Passieren stellte Stefan dies fest, was daraufhin zur Familienzusammenführung führte ;-))).

Irgendwie sah Stefan schon ein wenig mitgenommen aus. Der Wechsel vom Rad fahren zum Laufen ist schon krass und eine extreme Belastung, die er zwar trainiert hatte, aber wie ich fand, nicht genug. Wie dem auch sei, er wusste was auf ihn zukommt.

Er lief und dass es schwer wird, konnte er sich an allen fünf Fingern abzählen. Beim zweiten Treffen verlangte er nach Bier. Kann ich mir ja schon vorstellen, dass er diesen ganzen Süßkram satt hatte, das kenne ich vom Marathonlaufen, irgendwann will man als Ausgleich nur noch etwas ungesund Fettiges. Mir war nicht so wohl dabei. Ich war erst ein wenig ratlos, aber Frank fand die Formel, er versprach in der nächsten Runde eines bereitzuhalten. Uff, Situation gerettet. Wie versprochen machten wir uns auch gleich auf den Weg um den Alkohol zu beschaffen. War nicht besonders schwer, ich hoffte zwar ein Alkoholfreies zu bekommen, das war leider aus. Nun denn, er wird es überleben.

Genüsslich trank Stefan auch ein paar Schlucke, als wir es ihm reichten. Zumindest war jetzt die Psyche beruhigt. Aber er sah schlecht aus, zeigte deutlich wie müde er war und dass es jetzt an der Zeit sein könnte, das Ziel zu erreichen. Julja zeigt zu diesem Zeitpunkt auch bereits Schwächeerscheinungen, sie hatte die ständigen Wechseln von einer Mainseite zur anderen mittlerweile auch satt.

Stefan bat uns jedoch nach Anfrage, auch in der letzten Runde am 5km Punkt zu sein, als moralische Unterstützung. Julja war sofort einsichtig und stimmte der Fortführung unserer Wanderschaft zu.

Frank wurde zum Zielkanal geschickt um dort schon Stellung zu beziehen, währenddessen Konni, die zwischenzeitlich zu uns gestoßen war uns auf unserem Letzten Gang begleitete. Sie fand auch sofort die Zauberformel für Kinder, um Julja für ihre Geduld zu belohnen. Ob sie ein Eis haben wolle, fragte Konni Julja. Ich Depp, warum komme ich nicht auf die einfachsten Ideen. Jetzt hat sich das Kind schon den ganzen Nachmittag klag los an meine Seite gestellt und ich komme nicht mal auf die Idee, ihr mittels dieser Leckerei etwas Gutes zu tun, stattdessen füttere ich sie mit Salamibrot und Mineralwasser!

Klasse, ein Eiswagen war auch gleich zur Stelle und das Kinderherz (und Konniherz) und auch meines waren ruckzuck mit einem Eis beglückt.

Unter der Brücke stehend sah ich Stefan das letzte Mal entgegen kommen, mein Gott, der läuft ja und ganz konzentriert und zügig, toll, meine Hochachtung. Offenbar von dem mehr oder weniger kurz bevorstehenden Zieleinlauf angetrieben, Kräfte mobilisiert trabte er vor sich hin.

Unter 13 Stunden wollte er bleiben. Naja, ob er dass schafft??? Die letzten KM eines Marathons können bitter sein. Aber auch hier habe ich ihn unterschätzt. Souverän und pünktlich wie angesagt, traf er auf dem Zielteppich ein. Puh war ich erleichtert. Wie er sich fühlte, konnte ich mir nicht vorstellen.

Ich wäre gerne bei ihm gewesen im Ziel, wäre gerne die Erste gewesen die ihn beglückwünscht und ihn in den Arm genommen hätte, um dieses Erlebnis mit ihm zu teilen. Ich betete mir meine Enttäuschung damit gesund, dass ein jeder, der diese Freude nicht am eigenen Leib erfährt, in dieser Situation Aussenstehender ist und dieses Glück nicht nachvollziehen kann. Dieses Glück muss der Betroffene alleine aushalten können! Trotzdem ich hätte es tun sollen!

Denn schließlich schloss sich mit diesem Finish auch für mich der Kreis. Auch ich fühlte mich ein bisschen wie am Ziel angekommen.

Dieses Ziel schien vor einigen Monaten in sehr weite Ferne gerückt, schien ausgeschlossen zu sein. Ein bisschen gegrübelt habe ich schon, als Stefan mir von seinem Vorhaben erzählte. Ironman, häh, wie kommt er jetzt darauf? Macht er das nur, weil es die anderen auch tun? Eigentlich ist Stefan nicht so einer. Der macht sein eigenes Ding, ohne auf fremde Pferde zu springen, lässt sich zwar gerne mitziehen, aber nicht um jeden Preis.

Nun gut, schauen wir mal, wie bei allen Vorhaben, gelingt die Verwirklichung nur, bei entsprechendem Training, guter Vorbereitung. Doch gerade da hatte ich Bedenken. Stefan ist nicht einer der sich intensiv auf Ziele vorbereitet.

Vielleicht kommt mir das auch nur so vor, weil er die Dinge schneller begreift, aufnehmen kann als ich und vor allem nicht ständig darüber jammert oder sich stundenlang auslässt.

Mir fiel schon sehr schwer, Stefans Trainingskonzept zu erkennen. Was er nach der Entlassung aus dem Krankenhaus und nach notwendiger Erholung nach der Lungenembolie zustande brachte, ließ in mir Beunruhigung aufkommen.

Meine Güte, kapiert der nicht, dass er was tun muss? OK, er kann sich nicht so ins Zeug legen wie die anderen angehenden Ironmänner, gut, muss ich akzeptieren, aber ein bisschen mehr könnte er schon tun.

Wir sind doch extra deswegen Mitglieder des MTV Kronberg geworden, damit er Trainingsunterstützung bekommt. Stattdessen vermeidet er das Schwimmtraining und bummelt für sich alleine durchs Wasser.

Schade, dass meine körperliche Verfassung zu dieser Zeit nicht die Beste war, nur zu gerne hätte ich ihn mehr bei den Trainingseinheiten begleitet. Hätte ich ja teilweise auch gekonnt. Er hat ja auch mein Rad auf eine Rolle gespannt, die mein Nachbar mir zur Verfügung gestellt hatte. Treu und brav stand es neben dem seinen im Wohnzimmer und wurde nur 2mal für 30min den Winter über gefordert. Es wäre kein Problem für mich gewesen, mich aufs gesattelte Rad zu setzen, aber, auch mir fehlte es an Motivation.

Rolle fahren ist einfach zu langweilig und ich fühlte mich zu dieser Zeit körperlich schlecht. Wenn er sich dann mal darauf gesetzt hat, war ich immer erleichtert, dass er was tut. Sein Trainingsprogramm aus dem Internet schien ziemlich gut zu sein. Trotzdem verfolgte er keinen kontinuierlichen Plan, den man abarbeitet, den man nachvollziehen kann, sondern entschied die Trainingspensi immer spontan.

Ich hätte mich manchmal gerne auf die faule Haut gelegt. Sein nicht überragender Trainingseifer hielt mich davon ab, ich fühlte mich in der Motivationspflicht. Musste ihn antreiben, in Kauf nehmen, dass er sich beschwert, sich bedrängt fühlt von mir, unter Druck gesetzt.

Ein Vabanquespiel, um keinen Familienkrach zu provozieren. Ich hatte oft schlechte Laune deswegen. Ich hätte ihm so sehr einen Sparringspartner gegönnt, mit dem er trainieren kann, der ihn motiviert und aufbaut, mit dem er sich gleichberechtigt austauschen kann.

Leider befindet sich in unserem sportlichen Umfeld niemand, und so fühlte ich einen Großteil der Last auf mir. Mit der Zeit fand ich für mich einen angemessenen Rahmen. Wenn er Strecke schwimmen sollte, begleitete ich ihn um mein Pensum zu schwimmen und ging anschließend heim. Radstrecken wurden geteilt, eine Runde mit mir, eine er alleine, oder bei der Teilnahme von RTFs, fuhr er die lange Strecke und ich eine kürzere.

Laufen konnten wir gut zusammen, da er sowieso langsam Form aufbauen musste, trabten wir in einem unsäglich langsamen Tempo gemeinsam die Strecken ab. Er ein oder zwei Runden mehr, wenn Ausdauer auf dem (nicht vorhandenen) Plan stand. Die Gewichte im Fitnessstudio stemmte er morgens oder nach der Arbeit (wenn er Lust hatte) und ich in der Mittagspause (wenn ich Lust hatte ;.))). Tempotraining absolvierte er mit seinem Comrade Frank, was für ein Glück.

Zum Trainingslager nach Malle fuhren wir gemeinsam. Es war klar, dass ich nur selten an einer Gruppenfahrt teilnehme, ich war einfach zu schlecht und wollte die anderen nicht bremsen. Auch hier fand er für sich eine gute Mitte und nahm sich trotzdem einen Tag Zeit um mit mir eine lange Runde zu radeln, die sehr viel Spaß machte. Gemeinsam radeln geht prima, Stefan ist eine der wenigen Personen, die sich perfekt auf ein für mich machbares Tempo einstellen können, bei dem ich mich nicht überfordert fühle, vollkommenes Vertrauen habe.

Nach Malle platze dann irgendwann der Knoten, plötzlich waren es nur noch 8 Wochen bis zum Start. Ich wurde immer nervöser. Ganz anders Stefan, er fand nun richtig in sein Training. Wirkte entschlossener, motivierter und verantwortungsvoller. Und Schwimmen machte ihm auch wieder Spaß. Ich wurde ruhiger, konnte immer mehr darauf vertrauen, dass er schon das richtige tut und entspannte mich. Die langen Radrunden fuhr er meist alleine, während ich Sonntag morgen ausschlafen konnte. Er plante seine Open-Water-Tage, nahm am Swim-Day teil, am Radmarathon in Griesheim. All diese Aktionen führten dazu, dass auch ich langsam sicherer wurde und ein Gefühl dafür bekam, dass Stefan halt eine unorthodoxe Art hat, sein Training zu planen und durchzuführen. Auch wenn ich mal wieder meinte, dass er zu wenig läuft und die Wechsel Rad/ Laufen nicht oft genug übt, konnte ich ihn gut lassen, im Wissen, es ist sein Ding und er macht es auf seine Weise gut. Mir gefiel dieser engagierte Stefan sehr gut, ich musste ihn nicht mehr zum Training treten, was mich viel Kraft gekostet hatte.

Alles in allem hatte er sein Training, die Vorbereitungsphase im Griff, sowohl materialtechnisch als auch körperlich. Konsequent nimmt er seine Marcumar-Tabletten ein und trägt seine Kompressionsstrümpfe. Eine Nachlässigkeit kann für ihn tödlich sein. Durch diese Therapie kann er Sport treiben wie jeder andere und ist rein äußerlich überhaupt nicht gehandicapt, es gibt da keine Ausreden!

Bevor er sich zum nächsten IMG anmeldete fragte er mich, ob ich damit einverstanden bin. Da ich selbst Sportlerin bin und über Laufen, Schwimmen, Rad fahren sehr viel körperliche Bestätigung und Zufriedenheit erfahre, lasse ich mich gerne beim Training für den nächsten IMG mitziehen. In erster Linie muss er diese Entscheidung alleine treffen. Natürlich trage ich diese Entscheidung mit, wenn diese Teilnahme wichtig für ihn ist und ein Herzenswunsch.

Ich fühlte an den letzten Tagen vor dem Wettkampf eine wohltuende Gelassenheit, Fürsorglichkeit von ihm, die immer noch anhält. Er ist zufrieden und teilt diese Zufriedenheit auf diese Weise mit mir. Mir tut das gut. Uns tut das gut. Alles ist gut!
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